Sonderbedarf

Der Bedarf eines Kindes wird vom Grundsatz her mit dem Betreuungsunterhalt (in den meisten Fällen durch die Mutter) und dem Barunterhalt (in den meisten Fällen durch den Vater) sichergestellt.

Es gibt jedoch Ausnahmen, die als Sonderbedarf nicht vom allgemeinen gewährten (monatlichen) Unterhalt umfasst werden. Das ist dann der Fall, wenn der Bedarf nicht mit Wahrscheinlichkeit vorauszusehen war und deshalb bei der Bemessung der laufenden Unterhaltszahlung nicht berücksichtigt werden konnte.

Die bedeutsamsten Ausnahmen, also Sonderbedarf, sind folgende:
Notwendige Arzt- und Behandlungskosten, die von der Krankenkasse nicht übernommen werden,
Kosten für Brillen und Zahnersatz,
Betreuungskosten (Kindergarten, Tagesmutter), BGH, Urteil vom 26.11.2008, Az.: XII ZR 65/07,
Nachhilfekosten für eine kurze Zeit,
Prozesskosten,
Säuglingserstausstattung,
Umzugskosten.

Keinen Sonderbedarf stellen folgende Kosten dar, die vorhersehbar und deshalb nicht überraschend sind.Solche Kosten sind im laufenden Unterhalt enthalten:
Konfirmation , BGH, Urteil vom 15.02.2006, Az.: XII ZR 4/04,
Verpflegungskosten in einer Kindertagesstätte.

Unterschiedliche Gerichtsentscheidungen

Es gibt auch eine Vielzahl von Fällen, die von den Gerichten unterschiedlich beurteilt werden. Dies Zweifelsfälle sind:
Internatskosten,
Klassenfahrten,
Kosten eines Schüleraustauschs.

In aller Regel nicht um Sonderbedarf handelt es sich bei Kosten für
Musikschulausbildung,
Kleidung,
Lernmittel,
Möbel,
Musikinstrumente,
Privatschule,
Sport,
Urlaubskosten.

Wer muss den Sonderbedarf zahlen?

Falsch ist, dass der Barunterhaltspflichtige (also in der Regel der Vater) für den Sonderbedarf allein aufkommen muss. Das ist falsch! Für den Sonderbedarf sind beide Elternteile gemäß ihren Einkommensverhältnissen verantwortlich.

Den Anspruch auf Sonderbedarf muss das Kind innerhalb eines Jahres seit der Entstehung des Sonderbedarfs geltend machen.