• Hallo zusammen,
    mich beschäftigt folgende Situation:


    Damit das Gesamtbild der Situation klarer wird, muss ich ein bisschen ausholen - ich hoffe, es hat jemand Lust das durchzulesen und seine Meinung abzugeben.


    Mal angenommen Frau ist nach Schulabbruch der Oberstufe im Alter von 20 Jahren wegen schwieriger Verhältnisse zu Hause (Vater Alkoholiker) aus Tschechien nach Deutschland gekommen/geflüchtet und arbeite ein Jahr als Au-Pair Mädchen. In dieser Zeit hat sie einen Mann kenngelernt und Mann und Frau haben sich verliebt. Frau ist nach einem halben Jahr mit einem Koffer bei Mann eingezogen (mehr hatte B nicht). Mann war damals Student und B Tschechin ohne ständigem Aufenthaltsrecht (Jahr 2002). Frau ist aber trotzdem ständig geblieben - beide haben vom Bafög des Mannes gelebt (585 EUR/Monat) zzgl. dem, was Mann noch nebenbei verdienen konnte (ca. 300-500 EUR/Monat).


    Ein Jahr vor dem Abschluss des Studiums haben A und B geheiratet und B hat dadurch ein Aufenthaltsrecht und Arbeitsrecht bekommen. Mann hat Frau dabei unterstützt eine Ausbildung (Fotografin) aufzunehmen (185 EUR Ausbildungsvergütung im 1 Jahr, 270 EUR im 3. Jahr). Gleichzeitig zum Ausbildungsbeginn der Frau hat Mann einen Job (erster Job nach dem Studium) in einer anderen Stadt bekommen und war nur an den Wochenenden zu Hause mit Frau.

    Mann hat also die Ausbildung von Frau finanziert, die Frau auch zu Ende gebracht hat.
    Mann verdiente 3300 EUR netto (Steuerklasse 3)
    Frau verdiente 1100 EUR netto als Fotografin (Steuerklasse 5)
    Mann hat Frau monatlich 200 EUR wg. der schlechteren Steuerklasse überwiesen.
    Mann hat ein zusätzliches Auto für 3000 EUR gekauft, damit Frau damit zur Arbeit fahren kann und hat es auch unterhalten.
    Mann hat auch die Miete/Strom/Internet-Telefon usw. bezahlt (1.000 EUR/Monat), ebenfalls die Kaution (800 EUR) für eine neue gemeinsame Wohnung in der Nähe der neuen Arbeitsstelle der Frau und auch den Umzug dorthin (2.000 EUR).


    Nach 4 Jahren Ehe haben Mann und Frau festgestellt, dass die kinderlose Ehe ein Fehler war.


    Nach der Trennung ist Frau ausgezogen.
    Mann hat Frau das Auto im Werte von 3000 EUR überlassen.
    Mann hat Frau 600 EUR Starthilfe gegeben.
    Die Steuerklassen wurden unmittelbar nach der Trennung auf 4 und 4 umgestellt.
    Mann hat Frau 14 Monate je 300 EUR Trennungsunterhalt gezahlt.
    Frau hatte freie Auswahl bei der Haushaltsauflösung.
    Dies wurde nicht notariell, aber schriftlich bei der Anwältin von Frau niedergeschrieben und von beiden unterschrieben.


    Frau steht doch nach der Ehe "besser" da, als vor der Ehe. Hergeleitet davon, dass Frau mit einem Koffer und ohne Ausbildung einzog und mir einer abgeschlossenen Ausbildung, Auto, Starthilfe, Trennungsunterhalt, freie Auswahl bei der Haushaltsauflösung jetzt selbst für sich sorgen kann - besser, als vor der Ehe.


    Ein halbes Jahr nach der Trennung ist die Firma (Fotoladen), in der Frau arbeitete, insolvent gegangen und Frau hat sich entschlossen eine zweite Ausbildung (zur Landwirtin) aufzunehmen.


    Die Scheidung ist seit ein paar Tagen rechtskräftig.


    Muss Mann jetzt damit rechnen, dass Frau gute Chancen auf nachehelichen Unterhaltsrecht hat? (Schließlich steht sie heute besser da, als vor der Ehe)


    Dass Frau nun eine zweite Ausbildung begonnen hat, stellt Frau zwar finanziell schlechter, aber muss Mann nun dafür bezahlen?


    Ich hoffe, es gibt jemanden unter euch, der Lust zum Antworten hat.


    Danke und Grüße
    tiptop

  • Hallo tiptop,


    Die wesentliche Frage wird sein:


    Welche Chancen hätte Frau weiterhin als Fotografin gehabt?


    lg
    edy

    Eine freundliche Begrüßung bei jedem Beitrag, ist eine Werschätzung gegenüber den Antwortgebern
    z.B. "Hallo"
    das ist ein Laienforum, die Antworten sind nicht rechtsverbindlich.

  • § 1575 BGB greift hier wohl nicht... Ehebedingte Nachteile sind nicht zu erkennen. In Betracht kommt allerdings - für eine begrenzte Zeit - Aufstockungsunterhalt. Auf ein Jahr ab Rechtskraft würde ich mich - zur Meidung eines Rechtsstreites - einlassen. Alles darüber hinaus würde ich gerichtlich entscheiden lassen.

  • Hallo edy, hallo Bleu_de_Coup,
    danke für die Antworten.


    edy : Die Chancenlage kann ich nicht beurteilen - habe keine Kenntnis davon, ob sie sich beworben hat. Ich weiß von ihr selbst aber ganz sicher, dass Landwirtin für sie der schönere Beruf sei (die Eltern hatten in Tschechien einen Bauernhof).


    Was meinst du zu ihrem Beweggrund?


    Danke und Grüße
    tiptop

  • Hallo tiptop,


    ich denke wenn es genügend Stellen als Fotografin gibt, wäre ein Berufswechsel nicht nötig gewesen.


    Ihr reduziertes Einkommen hat sie m.E. selbst herbeigeführt. ( also privat Vergnügen).


    lg
    edy

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  • Hat denn die Frau mit Mann darüber geredet, haben sie sich im streit getrennt? Könnte sie sich nicht zuerst einen Job suchen und dann wenn sie lust hat eine Ausbildung anfangen, die sie dann selber finanzieren kann?