Trennungsunterhalt nur für 12 Monate

  • Hallo!


    ich höre immer unterschiedliche Aussagen, was die Zahlungsdauer des Trennungsunterhaltes angeht.


    Mit einer eigens erstellten Trennungsvereinbarung hat man sich darauf geeinigt, dass der Mann der Frau einen Trennungsunterhalt in Höhe von 410€ zahlt. Als Trennungsdatum wurde der 7. Mai 2020 festgehalten.


    Oftmals liest und hört man, dass der Trennungsunterhalt bis zur rechtskräftigen Scheidung gezahlt werden muss. Andererseits lese ich auch immer mal wieder etwas von den Erwerbsobliegenheiten, die auch beim Trennungsunterhalt immer stärker angewandt werden. Hier ein Auszug:

    Erwerbsobliegenheit

    Nach Ablauf des Trennungsjahres muss ein bislang erwerbsloser Partner anfangen, zu arbeiten. Wer bereits erwerbstätig ist, kann unter Umständen eine gesteigerte (oder „verschärfte“) Erwerbsobliegenheit haben und muss monatlich einen gewissen Betrag erwirtschaften. Im Gesetz heißt es dazu:

    "Der nicht erwerbstätige Ehegatte kann nur dann darauf verwiesen werden, seinen Unterhalt durch eine Erwerbstätigkeit selbst zu verdienen, wenn dies von ihm nach seinen persönlichen Verhältnissen, insbesondere wegen einer früheren Erwerbstätigkeit unter Berücksichtigung der Dauer der Ehe, und nach den wirtschaftlichen Verhältnissen beider Ehegatten erwartet werden kann."

    Die Ausgangssituation der sich zu trennenden Eheleute ist, dass beide Vollzeitangestellte sind. Einkommen Ehemann: 3.400€ netto, Einkommen Ehefrau: 2.200€. Keine Kinder vorhanden. 3 Jahre verheiratet. Meiner persönlichen Meinung nach, hat die Ehefrau dann nunmehr 12 Monate Zeit, um sich auf die neue Lebenssituation einzustellen und um sich selbst finanziell zu kümmern, was bei dem Gehalt durchaus gegeben sein sollte.


    Vielen Dank für ein paar Einschätzungen.

  • Hi,


    gerade was diese Kategorie von Unterhalt angeht, da geht vieles durcheinander. Ich fasse mal Trennungsunterhalt und nachehelichen Unterhalt zusammen. Denn die Unterscheidung führt zu vielen Missverständnissen. Grundsätzlich geht man von einem Schutz des sozial Schwächeren für ein Jahr aus. Da auch nach einem Jahr frühestens geschieden werden kann, hat sich dann in den Köpfen der Leute festgesetzt, dass Unterhalt bis zur Scheidung gezahlt werden müsse. Ist also eigentlich ein Missverständnis. Die längste Scheidung, die ich kenne, die hat so etwa 6 Jahre gedauert, obwohl nichts zu regeln war, internationaler Bezug und Überforderung der Richterin. Da hätte der eine Partner also 6 Jahre zahlen müssen? Das geht doch gar nicht.


    Ob länger als ein Jahr gezahlt werden muss, etwa bis zur Scheidung oder auch über die Scheidung hinaus, das ist eine ganz andere Frage. Da spielen viele Faktoren rein, also etwa Dauer der Ehe, Behinderungen der Partner, Kinder, Weiterbildung für den Berufseinstieg, um mal die häufigsten Faktoren zu nennen.


    Bei euch ist die Sache relativ einfach. Hier greift nach meiner Einschätzung wirklich die Jahresfrist. Und zwar unabhängig davon, wann ihr geschieden werdet. Trotzdem würde ich empfehlen, den Antrag auf Ehescheidung schnell zu stellen, kann man so etwa 9 Monate nach der Trennung. Es geht ja auch um Versorgungsanwartschaften, und es können immer Unwägbarkeiten dazu kommen, etwa ein schwerer Unfall von einem, einfach wegen der klaren Verhältnisse.


    Herzlichst


    TK

  • Hallo Timekeeper,


    vielen Dank für die umfassende Antwort.


    Es ist schön zu lesen, dass in meinem Fall der Trennungsunterhalt für 12 Monate vermutlich ausreichend ist. Wie ist das eigentlich im Detail, wenn der Tag des Trennungsdatums der 7. des Monats ist. Müsste ich dann noch voll für den Monat bezahlen oder reichen 7 / 30igstel?


    Jedoch bin ich mir nicht sicher, ob der Scheidungsantrag wirklich schon vor Ablauf des Trennungsjahres gestellt werden soll. Häufig lese ich hierzu, dass es eine hohe Wahrscheinlichkeit gibt, dass das Familiengericht einen verfrühten Antrag ablehen könnte und dadurch unnötige Gerichtskosten entstehen.


    Der Rechtsanwalt, der für die Scheidungs beauftragt wurde, hat darüber hinaus gemeint, dass ein Versorgungsausgleich nicht stattfinden wird, da zum vereinbarten Trennungsdatum die Ehe noch keine 3 Jahre bestanden hat. Auf dem Formular des Anwaltes wurde jedenfalls angekreuzt, dass automatisch das Scheidungsverfahren eingeleitet werden soll, nachdem das Trennungsjahr abgelaufen ist.

  • Hi,


    man kann einen Scheidungsantrag natürlich auch verfrüht einreichen, da zieht dann das Gericht nicht mit. Aber letztlich muss man zum Scheidungszeitpunkt ein Jahr getrennt sein. Deshalb mein Tipp, so 2-3 Monate vorher einreichen, dann passt doch alles. Das mit Versorgungsausgleich, das stimmt, ich war von über drei Jahren zum vermutlichen Zeitpunkt der Rechtshängigkeit ausgegangen.


    Bei Unterhalt wird in vollen Monaten gerechnet, also der Trennungsmonat ist auch schon voll zu zahlen. Ist aber zumindest dann einerlei, wenn nur 12 Monate Trennungsunterhalt zu zahlen ist. Häufig ist ja in so klaren Fällen die Scheidung eben nach einem Jahr oder meinetwegen auch 1-2 Monate später, darauf kommt es ja dann auch nicht mehr an.


    Herzlichst


    TK