Sorgerecht bei gewalttätigem Vater

  • Guten Tag,
    eine junge Frau mit drei kleinen Kindern (2-5 Jahre alt) lebt in einer gewalttätigen Beziehung und hofft, den Gang ins Frauenhaus bald zu schaffen.


    Dies ist nur fernab des bisherigen Wohnortes in einem anderen Bundesland möglich -


    wie sieht es mit Aufenthaltsbestimmung und Sorgerecht für die Kinder aus?


    Der Mann wird nichts unversucht lassen, seiner Frau zu schaden und er weiss, daß die Kinder ihr Ein und Alles sind, also will er das Sorgerecht allein haben - Eigenes Interesse besteht nicht - eher besteht eine Mißbrauchsgefahr (vor der die Mutter die Kids derzeit noch zu bewahren vermag)

  • Hi,


    nun erst einmal Mut. Und nicht alle (vermeintlichen) Probleme gleichzeitig lösen wollen. Das klappt nicht und ist auch völlig überflüssig. Erster Schritt ist, mit dem örtlichen Frauenhaus Kontakt aufzunehmen. Die haben normalerweise Kooperationsfrauenhäuser, die dann die Betroffenen "austauschen." Das sollte geklärt sein, kann man auch vorab tun. Die Frau sollte schon jetzt einen Anwalt ihres Vertrauens aufsuchen. Geht mit Beratungsschein vom Amtsgericht für 15 €. Ist also darstellbar. Und dann sieht man weiter.


    Kein Gericht wird ohne triftigen Grund drei so kleine Kinder von der Mutter wegnehmen, mal davon ausgehend, dass der Vater den ganzen Tag arbeitet und die Mutter die Hauptbezugsperson ist. Und für eine Sorgerechtsregelung ist doch im Augenblick überhaupt kein Grund da. Wozu? Entscheidungen des täglichen Lebens trägt die Mutter ohnehin alleine, und für so kleine Kinder bedarf es doch keiner weiteren Entscheidungen.


    Ich staune allerdings immer wieder, wie es passieren kann, dass man von so einem Ungeheuer auch noch drei Kinder bekommt. Und ich staune auch, dass man nach Misshandlungen, die die Kinder ja auch mitbekommen, noch bei diesem Ungeheuer bleibt. Wenn denn die Kinder das Ein und Alles für die Frau sind, dann nimmt sie die Kinder an die Hand und geht. Eben weil sie die Kinder so sehr lebt. Und wartet nicht, bis wieder was passiert. Im Interesse der Kinder. Basta.


    Herzlichst


    TK

  • Tja TK, wenn das immer so einfach wäre, würden niemals wiederholte Misshandlungen stattfinden. Ich hoffe, die Frau, von der Bima berichtete, hat inzwischen längst den Absprung geschafft und ist gerade dabei, für sich und ihre Kinder ein sicheres Leben einzurichten. Das Problem mit dem Sorgerecht dürfte sich angesichts der Gewalttätigkeiten ja erst gar nicht gestellt haben.

  • Tja Drilling, ich habe nicht geschrieben, dass es einfach ist. Aber es geht. Und ich halte es für völlig unverantwortlich den Kindern gegenüber, diese dieser Problematik auszusetzen. Da kommen dann schon mal Zweifel an der Erziehungsfähigkeit der Mutter auf. Wenn man Kinder hat, dann trägt man auch Verantwortung. Die können sich nämlich nicht helfen. Nicht zum Anwalt gehen und eine quasi Gratisberatung bekommen, nicht ins Frauenhaus gehen, nicht zu Pro Familia, Caritas, Jugendamt oder Diakonie, zum weissen Ring, kein Gewaltschutzgesetz. Die sind ihren Eltern ausgeliefert. Und die Mutter hat eine Garantenstellung gegenüber den Kindern. Wenn sie diese nicht ausfüllt im Sinne der Kinder, wird der Staatsanwalt zu prüfen haben, ob sie sich nicht auch strafbar macht.


    Ach ja, ich hab damals meine Kinder an die Hand genommen und bin mit dem, was wir auf dem Leib hatten, aus dem Haus gegangen. Und damals gab es noch kein ALG II, kaum Frauenhäuser, kaum weitere Beratungsstellen. Ich musste es alleine schaffen. Und es hat funktioniert. Es geht, wenn man nur will. Und wenn man eigene Bequemlichkeit und psychische Befindlichkeit nicht über die der Kinder stellt.


    Herzlichst


    TK

  • Respekt Timekeeper, dass du das geschafft hast. Aber dann weißt du ja auch, wie viel Mut und Kraft es erfordert, so zu handeln und genau an dem fehlt es häufig bei Frauen, die in einer solchen Situation sind. Dass die Verantwortung für die Kinder über alles gestellt werden sollte und muss, ist ja völlig klar und unstrittig. Alles, was ich damit sagen wollte, ist, dass ich Verständnis für Frauen habe, die eben nicht so viel Kraft haben, wie du. Das heißt nicht, dass ich es gut finde, wenn der einzig notwendige Schritt hinausgezögert wird oder - wie in vielen Fällen - erst gar nicht gemacht wird.

  • Hi,


    ich habe neulich einen Fall im Fernsehen angeguckt. 1. Freund hat Kind sexuell missbraucht. Mutter wusste es. Hatte nicht die Kraft, zu gehen. 2. Kind von 2. Freund. Freund hat zweites Kind misshandelt. In Abwesenheit der Mutter. Mutter hat derzeit wiederum keine Kraft zu gehen. Jammert rum, ist entsetzt. Da fällt einem doch nichts mehr ein.


    Wir haben ein beispielhaftes Hilfsnetz in Deutschland, ich hab ja schon oben aufgezählt, was es so alles gibt. Wenn man das nicht nutzt, und lieber in Kauf nimmt, dass die Kinder misshandelt werden, dann hat man auch nicht die Kraft, Kinder richtig auf den Weg zu bringen. Dann sollten sie so lange auch der Mutter entzogen werden, bis sie die Kraft hat, sich verantwortungsvoll um ihre Kinder zu kümmern.


    Und ansonsten ist nicht nur die Handlungsweise der Väter, sondern auch die Trägheit der Mütter ein Fall für den Staatsanwalt.


    Herzlichst


    TK