Beiträge von papo

    Hallo,
    heute habe ich die nachstehende Stellungnahme des Familiengericht zu meiner Anfrage erhalten:
    ...weise ich darauf hin, dass nach Auffassung des Gerichts für die betriebene Vaterschaftsanerkennung kein gerichtliches Verfahren erforderlich ist, sondern die Anerkennung durch den Vater und Ihre Zustimmung als Kind für eine Vaterschaftsanerkennung ausreichend sind. Da Ihre Mutter bereits vor 30 Jahren verstorben ist, ist ihre elterliche Sorge erloschen, weshalb gem. § 1595 Abs. 2 BGB die Zustimmung des Kindes für eine Vaterschaftsanerkennung ausreicht (ebenso: Staudinger, Kommentar zum BGB, § 1595 Rn. 15, Erman, Kommentar zum BGB, § 1595 Rn 8, Juris PK BGB, § 1595 Rn 13, Münchner Kommentar zum BGB, § 1595 Rn. 8). Hierfür süricht, dass mit dieser Lösung eine effiziente und zeitnahme Vaterschaftsanerkennung möglich ist, die die Interessen des Kindes und des anerkennenden Vaters wahrt. Ein Persönlichkeitsrecht der Mutter, auch nach dem Tod keinen Mann als Vater des Kindes ohne ihr Einverständnis aufgedrängt zu bekommen, das die Gegenmeinung durch das Erfordernis eines gerichtlichen Feststellungsverfahrens wahren will (so Palandt, Kommentar zum BGB, § 1595 Rn. 3), besteht nach dem Tod der Mutter nicht mehr. Jedenfalls kann es nicht schützenswerter sein oder schwerer wiegen, als das Interesse des Kindes an einer Vaterschaftsanerkennung. Dies gilt insbesondere in dem Fall, in dem das Kind bereits volljährig und die Mutter seit über 30 Jahren verstorben ist. Der Schutz des anerkennenden Vaters und des zustimmenden Kindes vor einer übereilten Vaterschaftsanerkennung ist durch die erforderliche Beurkundung der Anerkennung/Zustimmung gewahrt.Für eine Vaterschaftsanerkennung vor dem Standesamt gem. § 1592 ff BGB ist daher nur die (hier bereits erfolgte) Anerkennung durch den Vater und die Zustimmung des (volljährigen) Kindes erforderlich.
    Mit dieser fachlichen Stellungnahme werde ich nun versuchen meine Zustimmung beim Standesamt beurkunden zu lassen. Falls man sich dort immer noch weigert, werde ich das Widerspruchsverfahren in Gang setzen und notfalls klagen. Ich denke ich habe gute Aussichten.
    Ich hoffe, dass diese Auskunft auch anderen Betroffenen (oft Besatzungskinder, da diese meist erst in späten Lebensjahren nach dem Tod der Mutter von ihrem leiblichen Vater erfahren) hilft.
    Herzliche Grüße
    Papo

    Ich bin volljährig und habe seit dem Tod meiner Mutter nach meinem leiblichen Vater (amer. Besatzungssoldat) gesucht. 2014 habe ich ihn gefunden. Er hat zwischenzeitlich seine Vaterschaft vor dem Deutschen Generalkonsulat in
    Miami nach deutschem Recht anerkannt. Die Anerkennungsurkunde wurde mir vom Konsulat zugesandt mit dem folgendem Hinweis: "Vaterschaftsanerkennung bedarf der Zustimmung der Mutter. ....Die Mutter des Kindes (ich) ist am... verstorben. Die Vaterschaftsanerkennung wird somit mit Zustimmung des Kindes wirksam." Nun wollte ich meine Zustimmung erklären und beurkunden lassen, um meinen Vater in meiner Geburtsurkunde beitragen zu lassen. Sowohl das zuständige Standesamt als auch das Amtsgericht haben mir die Auskunft erteilt, dass die Zustimmung meiner verstorbenen Mutter durch ein gerichtliches Verfahren auf Feststellung der Vaterschaft ersetzt werden muss. Sonst kann eine Beitragung in der Geburtsurkunde nicht erfolgen.
    Bei meinen eigenen Recherchen bin ich auf andere juristische Auslegungen gestoßen: In Fällen in denen die sorgeberechtigte Mutter das Kind insoweit nicht mehr vertreten kann (Volljährigkeit) ist die Zustimmung des Kindes erforderlich ("Das Recht der Elterlichen Sorge", S. 21-24, Dagmar Zorn, Dipl. Rechtspflegerin) und auf die Rechtsauffassung bei Staudinger/Rauscher, BGB, Neubearbeitung 2000, § 1595 Rn 15 ..."das beim Tod der Mutter das
    Zustimmungserfordernis nach § 1595 Abs. 1 BGB ersatzlos entfalle und an dessen Stelle das Zustimmungserfordernis des Kindes... trete".
    Kann mir jemand Auskunft geben, ob die Zustimmung der (sorgeberechtigten) Mutter bei einem volljährigen "Kind" erforderlich ist und bei einer bereits verstorbenen Mutter durch eine gerichtliche Feststellung der Vatersschaft ersetzt werden muss? Hat jemand Erfahrung mit der Problematik?
    Mein Vater ist 87 Jahre alt und nicht bei bester Gesundheit. Er möchte gerne noch mit eigenen Augen seinen Namen in meiner Geburtsurkunde lesen. Ich hoffe, dass mir/uns jemand helfen kann.
    Herzlichen Dank.
    Papo