Auskunftsersuchen Sozialamt

      Auskunftsersuchen Sozialamt

      Hallo zusammen,

      mit etwas Glück bin ich über dieses Forum gestolpert nachdem ich mich doch nun einige Tage durch verschiedene Beiträge, Urteile etc. gewühlt habe. Gerne würde ich mich jetzt an euch wenden und um eure Meinung zu meinem Fall bitten.

      Kurz vor Weihnachten erreichte mich und meinen Bruder ein Auskunftsersuchen des Sozialamts bezüglich unseres Vaters. Laut Schreiben erhält er seit einiger Zeit Beträge zur Eingliederungshilfe, nun soll geprüft werden ob wir leistungsfähig sind. Das Sozialamt fordert von uns beiden aktuell eine Einkommens-/Vermögensauskunft an. Wir haben auch bereits einen Termin beim Rechtsanwalt. Allerdings beschäftigt mich das Thema so sehr, dass ich nicht bis dorthin abwarten kann und gerne eure Meinung dazu hätte.

      Zu uns: beide berufstätig, beide kommen mit ihrem Nettogehalt nach Abzug der möglichen Kosten unter den Selbstbehalt.

      Mein (unser) Fall gestaltet sich so: Wir sind die einzigen Kinder unseres Vaters. Unsere Eltern haben sich 2000 oder 2001 getrennt und anschließend scheiden lassen. Unserer Mutter wurde das alleinige Sorgerecht zugesprochen, da unser Vater uns weiterhin terrorisierte sind wir Anfang der 00er Jahre dann von Nord- nach Süddeutschland gezogen. Wir haben beide keinen Kontakt mehr zum Vater.

      Grund der Scheidung war, dass unser Vater bereits während unserer gesamten Kindheit Alkoholiker war. Die Mutter arbeitete im Nachtdienst einer Klinik, so waren wir als Kinder häufig alleine mit dem stark betrunkenen Vater zu Hause. Ebenfalls kam es meiner Meinung nach zu schweren Verfehlungen des Vaters, hierzu zählen beispielesweise: körperliche Misshandlungen, Autofahrten unter Alkoholeinfluss mit beiden Kindern im Auto, zwingen zum Konsum von hochprozentigem Alkohol (Alter ca 8-10 Jahre), verjagen eines aus dem Elternhaus in einer Nacht während des Winters, etc. Nach der Trennung meiner Mutter von unserem Vater zogen wir im selben Ort um, ein Jahr später nach fortlaufender Belästigung durch unseren Vater (auflauern, Auto manipulieren, Drohungen) zogen wir schließlich nach Süddeutschland. Zu diesem Zeitpunkt waren mein Bruder und ich ca 6-7 und 10-11 Jahre alt.

      Unser Vater verlor meines Wissens nach aufgrund seiner fortlaufenden Alkoholsucht kurz nach der Trennung seine Anstellung, ebenfalls ist seine Gesundheit aufgrund der Alkoholsucht schwer angeschlagen. Es kam zu mehreren alkoholbedingten Stürzen mit Schädelverletzungen, Leberschäden, Hirnschäden. Da wir keinen Kontakt mehr haben, weiß ich nicht alles zu 100% genau. Ich weiß jedoch von Bekannten, dass er psychisch sowie physisch schwer angeschlagen ist und keiner Arbeit mehr nachgehen kann, alles in Folge der Alkoholsucht. Unser Vater zahlte während unserer Kindheit nie Unterhalt für uns, da er aufgrund seiner Alkohlsucht keiner Arbeit mehr nachging/nachgehen konnte und daher kein Geld zur Verfügung stand. Sporadisch erhielten wir zum Geburtstag Briefe mit 5-10 EUR als Geburtstagsgeschenk. Darüber hinaus wurde von ihm kein Unterhalt an meine Muter gezahlt.

      Mein Bruder und ich werden aufjedenfall auf eine unbillige Härte plädieren um so jegliche Unterhaltsansprüche abzuwehren. Ich dachte immer, dass unser Fall doch eigentlich in dem Sinne klar sein muss, dass unser Vater durch selbstverschuldetes Verhalten sämtliche Unterhaltsansprüche gegen uns verloren hat (unsittliches Verhalten, Vernachlässigung eigener Unterhaltsverpflichtungen). Allerdings habe ich im Internet Urteile z.G. der Eltern gelesen, da fällt mir die Kinnlade runter.

      Ich würde gerne von euch wissen, ob Ihr denkt, dass in unserem Fall unbillige Härte durchgehen würde.

      Vielen Dank und eine schöne Woche!
      Hallo Alecrod,

      willkommen im Forum. :)

      Alecrod schrieb:



      Das Sozialamt fordert von uns beiden aktuell eine Einkommens-/Vermögensauskunft an. Wir haben auch bereits einen Termin beim Rechtsanwalt.
      Bringt m.E. in diesem Stadium nichts und kostet nur. Abgesehen davon haben viele sog. Fachanwälte wenig Ahnung von Elternunterhalt.

      Zu uns: beide berufstätig, beide kommen mit ihrem Nettogehalt nach Abzug der möglichen Kosten unter den Selbstbehalt.
      Das ist doch zumindest schon mal ein klein wenig positiv. Wenn sowieso nichts zu holen ist, steigen m.E. die Chancen auf Anerkennung oder teilweiser Anerkennung einer unbilligen Härte. Dann hat der Sachbearbeiter den Fall vom Tisch und kann sich vielversprechenderen Fällen zu wenden.

      Grund der Scheidung war, dass unser Vater bereits während unserer gesamten Kindheit Alkoholiker war.
      Das ist der Punkt, an dem unbillige Härte grundsätzlich scheitern könnte. Alkoholiker gelten allgemein als krank.

      Unser Vater verlor meines Wissens nach aufgrund seiner fortlaufenden Alkoholsucht kurz nach der Trennung seine Anstellung, ebenfalls ist seine Gesundheit aufgrund der Alkoholsucht schwer angeschlagen. Es kam zu mehreren alkoholbedingten Stürzen mit Schädelverletzungen, Leberschäden, Hirnschäden. Da wir keinen Kontakt mehr haben, weiß ich nicht alles zu 100% genau. Ich weiß jedoch von Bekannten, dass er psychisch sowie physisch schwer angeschlagen ist und keiner Arbeit mehr nachgehen kann, alles in Folge der Alkoholsucht. Unser Vater zahlte während unserer Kindheit nie Unterhalt für uns, da er aufgrund seiner Alkohlsucht keiner Arbeit mehr nachging/nachgehen konnte und daher kein Geld zur Verfügung stand.

      Der Knackpunkt ist, dass ein UHP beweisen müsste, dass sein Vater zum Zeitpunkt der Verfehlung nicht unter Alkoholeinfluss stand. Wer selbst nichts hat, kann keinen Unterhalt zahlen.

      Sporadisch erhielten wir zum Geburtstag Briefe mit 5-10 EUR als Geburtstagsgeschenk.
      Das könnte vor Gericht positiv für den Vater ausgelegt werden. Er hatte zwar nichts, hat sich aber bemüht.

      Darüber hinaus wurde von ihm kein Unterhalt an meine Mutter gezahlt.
      Das hat für Euch keine Bedeutung. Es betrifft die Mutter selbst. Wenn du damit andeuten möchtest, dass er auch für euch keinen Unterhalt gezahlt hat, ist das etwas anders. die Frage ist halt, ober er überhaupt in der Lage war, Unterhalt zu zahlen.

      Mein Bruder und ich werden aufjedenfall auf eine unbillige Härte plädieren um so jegliche Unterhaltsansprüche abzuwehren.

      Das solltet ihr auf jeden Fall tun. Dazu empfehle ich:

      Alkohol nicht erwähnen, die anderen Sachen ja, z.B.
      - Terror
      - Misshandlungen
      - Zwang zum Konsum von Alkohol (m.E. schwerwiegend)
      - Im Winter aus dem Haus jagen (m.E. schwerwiegend)
      - u.ä.

      Dabei in sachlichem Ton beschreiben, nicht übertreiben
      Klar zum Ausdruck bringen, dass du nicht einsiehst, für einen Vater zahlen zu müssen, der sich so verhalten hat
      Versuche möglichst viele Beweise (Kopie) beizufügen.
      Versuche, diese Beweise möglichst bald zu beschaffen. Die Aufbewahrungsfrist bei Ämtern ist kurz, Verwandte und Bekannte werden älter und sterben.

      Parallel solltet ihr jedoch Auskunft geben. Dazu siehe hier:
      hilferundumsfamilienrecht.iphp…an-auskunft-t82.html#p164

      Ich dachte immer, dass unser Fall doch eigentlich in dem Sinne klar sein muss, dass unser Vater durch selbstverschuldetes Verhalten sämtliche Unterhaltsansprüche gegen uns verloren hat (unsittliches Verhalten, Vernachlässigung eigener Unterhaltsverpflichtungen). Allerdings habe ich im Internet Urteile z.G. der Eltern gelesen, da fällt mir die Kinnlade runter.
      Ich sehe das genau so, wie aber ein SHT oder Gericht das sieht steht in den Sternen.

      Ich würde gerne von euch wissen, ob Ihr denkt, dass in unserem Fall unbillige Härte durchgehen würde.

      Das kann niemand vorher sagen.




      Gruß
      awi
      Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.
      Abkürzungen: EU = Elternunterhalt, UHP = Unterhaltspflichtige(r), UHB = Unterhaltsberechtigte(r), RWA = Rechtswahrungsanzeige, SHT/SA = Sozialhilfeträger/Sozialamt, AVV = Altersvorsorge(schon)vermögen

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